|
Männerchöre bald auf neuen Wegen?
Wer hier das "Ännchen von Tharau" und forsche Trinklieder erwartet hat, dem gingen die Augen, pardon! - die Ohren über: Männerchöre auf neuen und bewährten Wegen präsentierten am Sonntagnachmittag vor voll besetzter, eng bestuhlter Nufringer Wiesengrundhalle ein großes Programm mit riesigem Spektrum. "Männer machen Musik - unplugged, live und mit viel Gefühl", so lautete das Motto. Eine Premiere im Chorwesen des Landkreises, die der Chorverband Otto Elben im Schwäbischen Sängerbund hier veranstaltete. Rudi Öchsler, seit einem Jahr Präsident des Verbandes, möchte sich speziell um den Fortbestand der Männerchöre kümmern. Es sah so aus, als kündige sich ein erster Aufschwung an. Zwischen ergraute Häupter mischen sich erfreulich viele blonde und dunkle Schöpfe wie beim Männergesangverein Liederkranz Unterjettingen unter der Leitung von Roland Gäfgen. "Vanilleeis, Ananas, Kirsch und Banane. . ., aber bitte mit Sahne!" Der Hit von Udo Jürgens kennzeichnet den Schwenk zu neuen Zeiten, frisch, mit Witz und Schwung. "The Lion sleeps Tonight," "Wind of Change", alles geeignet, um wieder Jüngere in die Männerchöre zu locken, wie in Jettingen bereits geschehen. Die Ehninger setzten ein anderes Glanzlicht. Sie hatten Kurioses zu Tage gefördert, darunter ein "Ave Maria" von Karl May. Genau! Der Winnetou-Verfasser war auch gut in Musik, was wohl fast nur Insidern bekannt ist. En bloc mit "Papagenos Glockenspiel" - ein Stück des Komponisten-Genies durfte natürlich im Mozart-Jahr nicht fehlen - und dem "kleinen, grünen Kaktus" besonders fein, ausgereift und klangrund dargeboten.
Spezielle Würze streuten die Comedy-Brothers aus Trossingen in das Konzert. Sieben ausgebildete Künstler ließen das "Fräulein Johanna" pfeifen und gurren, verehrten hingebungsvoll schmachtend die schöne Isabella von Kastilien und verzauberten das still lauschende Publikum mit Gags und hochklassigem Gesang - ein Touch Comedy tat gut und lockerte. "Sie lassen uns hören und sehen, wie Profis auftreten", brachte es Präsident Rudi Öchsler auf den Punkt. Ah-aaaahhhh! Von Kastilien und den "Bel Amis" zurück in den Kreis BB: Hier gibt's Tenöre, Baritone und Bässe, die folgen einer Frau. Gleich drei auf einen Streich: Die Sängervereinigungen aus Aidlingen, Darmsheim/Dagersheim und den Otto-Elben-Männerchor, zusammengesetzt aus Abordnungen verschiedener Chöre, dirigierte Renate Dannecker. Von "flotten Melodien" und Spirituals bis hin zu europäischer Folklore und traditioneller Chorliteratur erklang ein unterhaltsam wechselndes Repertoire - die Sänger "schossen die schlechte Laune zum Mond."
Vor Lampenfieber bei Live-Auftritten ist niemand gefeit, und so kam es bei "Rock my Soul" zu einigen kleinen "Verwerfungen", wie Moderator und Mitinitiator Wolfgang Layer geschickt und charmant erklärte. Ein applaudierendes Publikum stimmte dem zu, zumal kleine Missgeschicke durch volle Chorklänge und gefühlvolle Ausschmückungen wieder ausgeglichen wurde: Der COE-Männerchor startete "mit der Uhr in der Hand" in die zweite Konzerthälfte, ein humorvoller Aufruf gegen die Hektik unserer Tage.
Zuvor noch brachte Gauchormeister Christoph Henke mit dem Liederkranz Deckenpfronn Knitz-Schwäbisches ins Programm. Mit Miniaturen von Helmut Pfisterer: "Wia mrs au gohd" oder "S'schaffa ghörd abgschaffd - damit mr endlich Zeit hat für an a'schdändigs G?schäffd!" hatten die Deckenpfronner die Lacher auf ihrer Seite.
Einen fulminanten Auftritt am Schluss des dreistündigen Konzerts lieferte der Liederkranz Sindelfingen unter der Leitung von Dimitri Prokhorenko. Für ein kraftvolles "Lebe, liebe, lache" wurde der größte anwesende Männerchor ebenso mit begeisterten Applaus belohnt wie für Romantisches von Friedrich Silcher.
Kein großes Konzert ohne angemessenes Finale: Wohl jeder Männerchor hat schon den Klassiker "Am Kühlenden Morgen" einstudiert - hier sangen alle Herren im Saal gemeinsam zum Abschied.
|