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Renate Dannecker sorgt bei vielen Chören im Kreis für den richtigen Ton (Bericht 2004)
Die Begeisterung führt den Taktstock
Zwanzig Mann und ein Befehl. Die Vesperpause im Dagersheimer Vereinshaus ist vorbei, die Chorprobe geht weiter. Sänger vom Otto-Elben-Gau üben für Berlin, wo im Juni das Deutsche Bundessängerfest stattfindet. An diesem Ereignis möchte sich der Auswahlchor unter der Leitung seiner Dirigentin Renate Dannecker beteiligen. Mit ein paar schwierigen Liedern. Auch wenn die Titel vom "Plappermäulchen" oder der "Heirat" aus der Wilhelm-Busch-Reihe kaum auf gesangliche Schwierigkeiten schließen lassen. Doch die seit 20 Jahren chorerzieherisch tätige Dagersheimerin kennt sich aus: "Die Stücke sind gespickt mit Achteln und Halbtönen." Halbe Sachen lehnt die Dirigentin ab. Sie will Auftritte, die Hand und Fuß haben. Runde, wunderschöne Klangkörper sind ihr lieber als Chöre, in denen alles wie nach Solisten klingt. Nach nichts Geschlossenem. Wer daneben singt, bekommt von Renate Dannecker keinen Rüffel. Sie weiß, wie weit sie gehen darf und dass noch kein Meister vom Himmel gefallen ist. Liebevoll weist sie auf den / die Fehler hin. Bittet, wenn ihr etwas Unsauberes aufgefallen war, das ganze Bass- oder Tenor-Team um Wiederholung. In so einem Falle hält sie am Flügel jäh inne, reißt den linken, derzeit noch gebrochenen Arm nach unten und rät zum Neubeginn.
Renate Dannecker ist nicht die einzige Dirigentin im Kreisgebiet. Es gibt deren noch etliche, aber in einem Punkt ist die Hausfrau aus dem Böblinger Stadtteil führend: Sie übt fast jeden Abend (oder Samstag oder Sonntag) mit einem anderen Chor. Seit sie jetzt auch noch den Aidlingern vorsteht, lässt ihr Terminkalender keinen Spielraum mehr. Aber sie macht es gern, weil zu Hause die Familie mitzieht: "Mein Mann Heinz ist unheimlich tolerant, und von meinen vier erwachsenen Kindern sind nur noch zwei daheim."
Die Liste der von ihr betreuten Chöre kann sich sehen lassen: Sie leitet ein Männer-Doppelquartett, feilt mit der Sänger-Auswahl vom Gau, betreut die Liederkränze aus Darmsheim und Mötzingen, baut den Liederkranz Aidlingen auf, schult die Männerstimmen aus Dagersheim und Darmsheim und steht auch jenen Chören vor, die eilends gebildet werden, um jemanden beim letzten Gang zu begleiten. So "ganz nebenbei" ist sie auch noch stellvertretende Gauchormeisterin.
Ein Gesangsstudium hat Renate Dannecker nicht nachzuweisen. Aber sie war eine begeisterte und mit dem Klavier vertraute Sängerin, als Dieter Meißner sie vor 20 Jahren dazu auserkor, als Vizedirigentin beim Dagersheimer Liederkranz einzusteigen. Schnell machte sie mit bei den vom Schwäbischen Sängerbund ausgeschriebenen Chorleiter-Lehrgängen. Übte daheim und spickte ab, wenn ihr große Meister den Weg kreuzten. Entscheidend sei nicht was, sondern wie man singe. Diesen vom Altmeister Rudolf Gehrung geprägten Ausspruch lässt die Dagersheimerin noch heute gelten - auch wenn sie mit der Zeit ging und sich nie davor scheute, schwerstes, modernstes Liedgut einzustudieren, oder Noten ausländischer Folkloren aufzulegen. "Billigkonzerte" möchte die Dagersheimerin keine haben, was aber nicht heißen dürfe, sie schätze den Friedrich Silcher nicht. Der habe "wunderschöne Lieder" gemacht, schwärmt die Dirigentin gar, was sie auch für gute Chöre anderer Komponisten verstanden haben möchte.
Dass Renate Dannecker bei den Chören reihum bestens ankommt, liegt an ihrer Natur: Sie sucht ein "offenes, ehrliches und freundschaftliches Verhältnis zu allen". Und vor allem die Jugend möchte sie "an der Hand nehmen" und ihr den Weg weisen in die Chöre. In ihnen soll es allen Sängerinnen und Sängern Spaß machen bei "wunderschönen, klingenden Texten".
"Furchtbar gerne" versieht die Chormeisterin ihren Job bis zum heutigen Tage. Und weil sie ihn mit Leib und Seele versieht, wird ihr Ehemann Heinz noch lange warten müssen, bis seine Renate eines Tages nicht mehr hinterm Flügel steht. Dass sie noch viele schöne Chöre einstudieren soll, ist auch der Wunsch jener Leute, die Woche um Woche zu ihr in die Proben kommen. Gar von einer "fantastischen Person" schwärmt da beispielsweise der Dagersheimer Klaus Daniels, "weil ich feststelle, dass die Renate permanent für uns da ist". Zudem habe sie als große Könnerin alles im Griff.
Ein musikalischer "Hans Dampf in allen Gassen" ist die Dagersheimerin für den Sindelfinger Rudi Oechsler. Sie kenne sich nicht nur bestens aus, sondern beherrsche auch die Kunst der Menschenführung aus dem Effeff. Renate Dannecker sei eine sehr durchsetzungsfähige Chorleiterin, freut sich Hannsjörg Berg aus Mötzingen, ein Tenorsänger, der sich von der Dagersheimerin schon seit zehn Jahren ausbilden lässt. Und dem immer wieder auffällt, "dass sie dem guten, neuen Liedgut gegenüber sehr aufgeschlossen ist".
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